Header

Suche
Sebastian Jessberger

Sebastian Jessberger, Prof. Dr. med.

  • Forschung - Lehre
  • Ordentlicher Professor für Neurowissenschaften
  • Institut für Hirnforschung

Warum haben Sie sich für diesen Karriereweg entschieden?

Nach der Rückkehr aus den USA war es zunächst der Plan, dass ich meine Assistenz-Professur an der ETHZ mit einer klinischen Stelle in der Neurologie am USZ verbinde (was sich dann als nicht wirklich durchführbar herausstellte). Ich war (bin es manchmal immer noch…) hin- und hergerissen zwischen wissenschaftlicher und ärztlicher Tätigkeit. Aber ein wichtiger Grund, dass ich mich dann schliesslich komplett für die Forschung entschieden habe, war die frühe Unabhängigkeit (keine Chef:in) und weniger Routine. Mir fehlten auch etwas die «role models» in der Klinik und der Inhalt meiner Forschung war doch recht weit «weg» von klinischer Relevanz.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Karriereweg?

Die grosse Freiheit, dass ich zusammen mit meinen Kolleg:innen an dem forsche, was uns interessiert, was wir spannend finden. Ein unglaubliches Privileg. Ausserdem ist schon auch die hohe Flexibilität (nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich) eine wunderbare Sache.

Was waren Herausforderungen in Ihrem Karriereverlauf?

Ich hatte durchgehend sehr viel Glück, bei allen meinen Stellen und insbesondere mit meinen Mentoren in Berlin und San Diego. Die grösste «Herausforderung» war wohl, dass ich mich dann irgendwann endgültig gegen die Klinik und ausschliesslich für die Forschung entschieden habe. Ganz wichtig war auch, dass ich immer einen tollen Plan B hatte: nämlich wieder in die Klinik zu gehen. Das hat Karrierephasen, die mit zeitlich begrenzten Verträgen einhergingen, deutlich «entspannt».

Wenn Sie nochmals "von vorne" beginnen könnten, was würden Sie in Ihrer Karriere anders machen?

Ich würde es wohl ehrlich gesagt nochmal genau gleich machen (und wieder auf «Glück» hoffen).

Was würden Sie Medizinstudierenden und Nachwuchswissenschaftler:innen raten?

Ich finde es bedauerlich, dass die akademische Forschung wohl an Attraktivität bei Medizinstudierenden eingebüsst hat und oftmals als lästige «Pflicht» wahrgenommen wird. Im Gegenteil sollten die Studierenden verstehen, dass Forschung nicht nur spannend und wichtig ist, sondern auch viele Freiheiten mit sich bringt – obwohl es natürlich herausfordernd sein kann, wenn man Forschung und Klinik unter einen Hut bringen will. So ist die Unabhängigkeit und auch Freiheit im Sinne von Zeiteinteilung bei Phasen des «forschungsfrei» sicher ein toller Vorteil (der aber als solcher oft nicht wahrgenommen wird). Ein Beispiel: in der Klinik konnte ich «behaupten»: «Oh, das weiss ich nicht, ich bin Forscher» und im Labor andersrum «Oh, keine Ahnung, wie das geht: ich bin Arzt».

Bei aller klinischen Routine (und sicher zunehmender Belastung durch Dokumentationen, Codierung etc): ich würde mir wünschen, dass es am universitären Spital absolut selbstverständlich ist, dass man forscht. Ich würde Medizinstudierenden raten, sich möglichst lange alle Optionen offen zu lassen (in meiner Karriere war das Risiko immer eher begrenzt, so z.B. ein Jahr Studium ausgesetzt für medizinische Doktorarbeit aber nicht gleich 3-4 Jahre für MD/PhD Programm….Ich konnte Dinge einfach ausprobieren und musste nicht gleich «grosse» Entscheidungen treffen).

Für nicht-medizinsche Nachwuchswissenschaftler:innen: Stellen sind knapp (auf tenured Professuren-Stufe) und es braucht wirklich Glück, viel Flexibilität und Mobilität (was zunehmend schwierig ist und natürlich insbesondere für Familien sehr belastend sein kann). Aber gleichzeitig winkt ein Job, der einfach ein unglaubliches Privileg ist: man kann daran arbeiten, was einen wirklich interessiert (und kriegt auch noch Geld dafür!).

CV

Studium Humanmedizin, Hamburg, (1993-2001, unterbrochen 1995 durch ein Jahr Zivildienst)
Dissertation

Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH), Universität Hamburg, Neurale Plastizität, (1997-2000)

Ärztliche Weiterbildung

Neurologie Assistenzarzt, Charité, Berlin (2002-2004)

Postdoc

Salk Institute for Biological Studies, La Jolla, USA, Fred H. Gage, (2004-2007)

Professuren

Assistenz-Professur: ETH Zurich, D-BIOL, (2007-2012)
Extra-Ordinariat: UZH (HiFo), (2012-2019)

Ordinariat: (HiFo), (2019-present)