Zusammenarbeit will geübt sein

Am ersten Interprofessional Education Day der ZHAW und der Universität Zürich bearbeiteten rund 70 Studierende verschiedener Gesundheitsberufe gemeinsam Simulationsfälle. Die Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg wird im Gesundheitswesen immer wichtiger. 

Studierende bei der interprofessionellen Anamnese mit der Patientin
Studierende bei der interprofessionellen Anamnese mit der Patientin
Studierende bei der interprofessionellen Anamnese mit der Patientin

 

«Wenn wir alle gut zusammenarbeiten, dann können wir das Beste für die Patientin erreichen.» Das ist das Fazit einer Studentin zum Interprofessional Education Day, der am 12. Oktober 2019 das erste Mal durchgeführt wurde. Und es ist wohl die wichtigste Erkenntnis aus der von ZHAW und Universität Zürich gemeinsam durchgeführten, interprofessionellen Veranstaltung am Departement Gesundheit. Unter dem Titel «Von Egos und anderen Dramen – Zusammenarbeit im Gesundheitswesen» trainierten 70 Studierende der Studiengänge Ergotherapie, Hebamme, Medizin, Pflege und Physiotherapie der beiden Bildungsinstitutionen sowie Studierende der Pharmazie der ETH die Zusammenarbeit in der Patientenversorgung.

 

Aha-Erlebnisse

Kernstück des von Studierenden für Studierende entwickelten Programms bildeten Simulationsfälle. So erhielten die Teilnehmenden beispielsweise den Auftrag, eine Nachkontrolle bei einer Frau durchzuführen, die sich fünf Wochen zuvor einen Unterarmbruch zugezogen hatte. Die Patientin klagte über zunehmende Schmerzen sowie eine Rötung und Schwellung im Bereich der Hand – Hinweise auf eine übermässige Entzündungsreaktion nach Verletzung einer Extremität. In kleinen interprofessionellen Teams mussten die Studierenden eine Anamnese durchführen, eine Diagnose äussern sowie einen Behandlungsplan erstellen und diesen mit der Simulationspatientin besprechen. Anschliessend gaben sowohl die Patientin als auch die beobachtenden Kolleginnen und Kollegen Rückmeldungen. Dieser Austausch war Ausgangspunkt für vertiefte Reflexionen: In Gruppen thematisierten die Studierenden Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der verschiedenen Professionen sowie die Rollen, die sie in interprofessionellen Teams wahrnehmen und wahrnehmen wollen. Dabei gab es das eine oder andere Aha-Erlebnis: «Ich wusste nicht, dass auch die Physiotherapeutinnen strukturierte systematische Anamnesen durchführen», so einer der Teilnehmenden.

 

Die Studierenden zeigten sich den ganzen Tag über sehr engagiert. In den Reflexionsrunden betrachteten sie kritisch die Voraussetzungen für die interprofessionelle Zusammenarbeit sowie Faktoren, die zum Gelingen oder Scheitern beitragen können. In einem Punkt waren sich alle einig: Es braucht mehr solche interprofessionellen und praxisorientierten Lehrangebote, insbesondere auch institutionsübergreifend.

 

Über den Tellerrand blicken

Warum sind solche Veranstaltungen wichtig, in denen Studierende von Berufen des Gesundheitssektors zusammenarbeiten und dabei von- und übereinander lernen? Aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Gesundheitssektor verlangen Veränderungen. Durch die steigende Lebenserwartung und unsere Lebensweise, die von sitzenden Tätigkeiten und entsprechendem Bewegungsmangel geprägt ist, nimmt die Zahl an chronisch kranken Menschen zu. Die Behandlung ist meist komplex und erfordert ein gut eingespieltes Team. Das funktioniert nur, wenn die an der Versorgung Beteiligten über den Tellerrand der eigenen Profession blicken und stärker zusammenarbeiten, als das heute der Fall ist. Das alleinige Nebeneinander der einzelnen Berufe hat ausgedient, weshalb es wichtig ist, schon in der Ausbildung die Zusammenarbeit als Team zu üben.

 

Stefan Gysin, Claudia Witt

Aleksandra Vukadinovic

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