Prof. Dr. med. Caroline Ospelt

Caroline Ospelt

Professorin für Rheumatologie

 

«Forschung ist wie Rätsel lösen im grossen Stil»

1995 - 2003 Humanmedizin an der Leopold Franzens Universität Insbruck, Österreich

2002 - 2003

Dissertation an der Leopold Franzens Universität Insbruck, Österreich "Time course of coagulation parameters and adhesion molecules in Plasmodium falciparum malaria".

2010 - 2012 Dissertation an der University of Amsterdam, Niederland
"The role of synovial fibroblasts in rheumatoid arthritis".

2004 - 2014

Postdoc, Zentrum für Experimentelle Rheumatologie, Klinik für Rheumatologie, Universitätsspital Zürich, Schweiz

2014

Habilitation an der Medizinische Fakultät Universität Zürich, Schweiz "Activation of synovial fibroblasts in rheumatoid arthritis."

seit 2020 Ausserordentliche Professorin für Rheumatologie

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Dass ich Medizin studieren wollte, war für mich relativ früh klar, dazu kam eine Faszination für molekular-biologische Prozesse. Ich bin von Natur aus eine neugierige Person und es hat mich immer interessiert den Dingen auf den Grund zu gehen. Geplant waren eigentlich nur 1-2 Jahre Laborarbeit vor der Facharztausbildung, aber dann hat es mir so gefallen, dass ich einfach geblieben bin.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

Forschung ist wie Rätsel lösen im grossen Stil. Ich liebe es im Labor eigene Hypothesen aufzustellen und diese zu testen. Es braucht Kreativität und Querdenken, um ein Problem aus einer neuen Perspektive zu sehen und damit vielleicht zum entscheidenden Ergebnis zu kommen. Darüber hinaus gefällt mir die soziale Interaktion. Diskussionen an einem wissenschaftlichen Meeting oder im Team ein Projekt zu entwickeln, ist einer der schönsten Aspekte meiner Arbeit.

Gab es in Ihrer Karriere besonders prägende Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Durststrecken und Misserfolge, grosse oder kleine, gibt es immer wieder mal, aber ich habe gelernt das nicht persönlich zu nehmen. Erfolg in der Forschung wird immer noch hauptsächlich an Publikationen und eingeworbenen Drittmitteln gemessen. Der Druck ist hoch und wenn es nicht klappt, kommen sofort Zweifel an der eigenen Kompetenz hoch. Gerade wenn man dann mal hinter die Kulissen schaut, als Editor oder Mitglied eines wissenschaftlichen Komitees sieht man wie hauchdünn die Entscheidungen oft sind und viel mit Glück, dem richtigen Thema, der richtigen Person, und dem richtigen Zeitpunkt zu tun haben. Ich habe jetzt viel mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten und weiss, dass ich gute Forschung machen kann, auch wenn mal nicht alles so läuft, wie ich es mir wünsche.

Welche Person / welche Institution hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? 

Ich hatte das Glück, dass ich gleich an meiner ersten Stelle am USZ Vorgesetzte hatte, die mich vollumfänglich unterstützt haben. Sie haben mir nicht nur die Freiheiten gelassen meinen eigenen Weg zu gehen, sondern mich auch in ihr internationales Netzwerk miteingebunden von dem ich immer noch profitiere. Ausserdem haben sie mir vorgelebt wie eine gesunde work-life balance aussieht. Ich bin froh sagen zu können, dass ich auch jetzt noch an der Klinik für Rheumatologie ausgezeichnet unterstützt werde und ich mich in jeder Hinsicht gut aufgehoben fühle.

Hatten Sie (besondere weibliche) Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?

Für mich war und ist es extrem wichtig weibliche Vorbilder zu haben. Leider waren sie relativ dünn gesät, aber die wenigen weiblichen Professorinnen in der Rheumatologie haben mir gezeigt, dass es möglich ist Professor zu sein ohne das Privatleben zu vernachlässigen.

Welche Massnahmen ergreifen Sie als Professorin, um den wissenschaftlichen Nachwuchs (insbesondere Frauen) an Ihrem Institut zu fördern?

Ich bemühe mich aktiv das weiterzugeben, was ich erlebt habe. Ich versuche zu ermöglichen, dass junge Forscher möglichst oft die eigenen Daten an Kongressen und Meetings selber vorstellen können, bringe sie mit vielen Leuten in Kontakt, damit sie ihr Netzwerk aufbauen können und ermutige sie auch mal eine administrative Aufgabe im Institut oder in einer nationalen oder internationalen Organisation zu übernehmen. Wenn sie dann ‘flügge’ geworden sind, sollte man ihre Arbeit und ihr Gesicht in der Forschungsgemeinschaft kennen und sie nicht nur mit mir assoziieren.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

Man muss sich auf jeden Fall ein dickes Fell zulegen und darf sich nicht entmutigen lassen. Wem die Arbeit nicht wirklich Spass macht und wer nicht von seinen eigenen Projekten überzeugt ist, wird es schwer haben. Man braucht viel Ausdauer und Durchhaltevermögen und das bekommt man am einfachsten, wenn man eine hohe intrinsische Motivation hat. Dazu sollte man sich das optimale Umfeld aussuchen. Vorgesetzte und Mitarbeiter, die hinter einem stehen und eine Umgebung, die es finanziell und logistisch ermöglicht Wissenschaft auf hohem Niveau zu machen.

Ist es aus Ihrer Sicht eine Herausforderung die Balance zwischen Forschung/der praktischen Arbeit in der Klink und der Familie/dem Privatleben zu halten? Wie gehen Sie damit um?

Man braucht ein gutes Time Management, um wissenschaftliches Arbeiten, Mitarbeiterbetreuung, Lehre, Kongressbesuche, Institutsaufgaben und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Zum Glück kommt nicht alles auf einmal, sondern es ist wie bei einem Jongleur, der nach und nach mit mehr Bällen jongliert. Es ist ein ständiges Triagieren und Abwägen der Prioritäten. Man darf sich nicht verzetteln und muss auch mal nein sagen oder etwas delegieren können. Wenn man sich nicht zu wichtig nimmt, sieht man, dass viel Dinge auch funktionieren, wenn man nicht immer an vordersten Front dabei ist und dafür einen schönen Abend mit der Familie verbracht hat.