Prof. Dr. med. Beatrix Latal

Beatrix Latal

Professorin für Entwicklungspädiatrie

 

«Andere wachsen sehen ist das grösste Geschenk»

1984 - 1990 Medizinstudium an der Universität Zürich, Schweiz

Dez 1992

Dissertation an der Medizinische Fakultät Universität Zürich, Schweiz “Repetitive, alternierende und sequentielle Bewegungen sowie statische und dynamische Balance im Alter von 5 bis 10 Jahren: Normalwerte und korrelative Beziehungen”.

1994 - 1997

Postdoc, Clinical research fellow, Department of Child Neurology, University of California San Francisco, USA

Mai 2007

Habilitation an der Medizinische Fakultät Universität Zürich, Schweiz "Prediction of Neurodevelopmental Outcome after Neonatal Brain Injury."

Aug 2014

Titularprofessur, Universitätsspital Zürich, Schweiz
seit 2020 Ausserordentliche Professorin für Entwicklungspädiatrie

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Ein bisschen hat sich das Ergeben, am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit stand eine wissenschaftliche Karriere gar nicht im Vordergrund. Durch mein Fellowship an der University of California San Francisco (UCSF), was ein grosser  Glücksfall war, wurde mein Feuer für die klinische Forschung entfacht. Das Umfeld dort war dort ideal: fördernd, interessiert, hochkompetent und innovativ.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

Dass ich in Klinik, Lehre und Forschung verbinden kann. Das erlebe ich als grosse Bereicherung, Erfahrungen und Fragen in einem Bereich lassen sich in den anderen einfügen. Ausserdem ist die Arbeit mit jüngeren Kolleg*innen extrem stimulierend und lehrreich. 

Gab es in Ihrer Karriere besonders prägende Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

In der Zeit als die Kinder noch klein waren und ich deshalb Teilzeit arbeitete, ging die Forschung nur langsam voran und ich war deshalb sehr ungeduldig. Ich hatte das Glück, von der Klinikdirektion bezahlte «protected time» zu bekommen, was damals noch eher selten war. Das ermöglichte mir mich 20% der Forschung zu widmen. Auch hat mir damals die Abteilung Gleichstellung der UZH einen Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt, so konnte ich auch örtlich vom Spital Abstand nehmen und mich auf das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten fokussieren. Auch sind wir in unserer Partnerschaft, mein Mann ist ebenfalls an der UZH tätig, ein gutes Team und nehmen aufeinander Rücksicht, wenn zum Beispiel Deadlines anstehen.

Welche Person / welche Institution hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? 

Prof. Remo Largo, der frühere Leiter der Abteilung Entwicklungspädiatrie, hat mir sehr viele Freiheiten gegeben, so konnte ich mich forschungsmässig entfalten. Der frühere Klinikdirektor des Kinderspital, Prof. Felix Sennhauser, hat mich in meiner Karriere stets unterstützt, eben auch mit bezahlter «protected time».

Hatten Sie (besondere weibliche) Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?

Meine Chefin während meiner Postdoc-Zeit am UCSF, Donna Ferriero, wurde zu einer grossartigen Mentorin. Sie und ihr Netzwerk von Professorinnen hat mir aufgezeigt, dass man es schaffen kann, akademische Karriere und Familie zu vereinen. Damals gab es in der Schweiz solche Rollenmodelle praktisch nicht. Ausserdem war der Zusammenhalt von Oberärztinnen am Kinderspital Zürich sehr gross und wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Bedingungen für eine erfolgreiche Verbindung von klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit und Familienaufgaben am Kinderspital verbessert werden. Dabei haben wir eng mit der Abteilung Gleichstellung gearbeitet und konnten diverse Projekte und Initiativen lancieren (https://doi.org/10.4414/saez.2009.14166).

Welche Massnahmen ergreifen Sie als Professorin, um den wissenschaftlichen Nachwuchs (insbesondere Frauen) an Ihrem Institut zu fördern?

Ich engagiere aktiv im Mentoringprogramm der MeF und berate auch ausserhalb dieses Programms jüngere Kolleginnen. Ich habe ein grossartiges Forschungsteam mit vielen Doktorandinnen, die ich versuche, individuell auf ihrem Weg zu begleiten und fördern. Als Lehrverantwortliche Pädiatrie habe ich intensiven Kontakt mit Studierenden und betreue auch viele weibliche Masterstudierende. Ich bin im Geschäftsausschuss des Forschungszentrums für das Kind des Kinderspitals und engagiere mich dort ebenfalls sehr für die Nachwuchsförderung auf allen Laufbahn-Stufen. Seitdem 1. August 2020 leite ich das Programm «Filling the gap» der MeF, das zum Ziel hat, den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs zu stärken.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

«Passion, Productivity, Persistence and Patience!» Früh mit der Forschung beginnen, Zeit für Forschung einbauen, Phasen, in denen schwerpunktmässigem geforscht wird sollen sich mit Phasen von klinischer Tätigkeit abwechseln, ein «mäandern» ist erfolgreicher als alles gleichzeitig tun zu wollen. Vor allem an Anfang der Karriere erscheint mir das essentiell. Und suchen Sie sich eine Mentorin oder Mentor!

Ist es aus Ihrer Sicht eine Herausforderung die Balance zwischen Forschung/der praktischen Arbeit in der Klink und der Familie/dem Privatleben zu halten? Wie gehen Sie damit um?

Ja, natürlich ist das eine Herausforderung!

Gleichzeitig ist es auch wunderbar, in so vielen Bereichen gleichzeitig arbeiten zu können, was sicherlich die beste Burnout Prophylaxe ist. Es braucht sicherlich auch einen hohen Energie-Level und ein gutes Arbeitsumfeld, um diese Herausforderung zu bewältigen. Ich versuche auch, mir «Inseln» zu schaffen, Momente, wo ich etwas für mich mache oder wo ich Energie tanken kann, bsp. in Gesprächen mit meinen Kolleginnen, wo wir uns in unserer Arbeit unterstützen und gegenseitig motivieren.