Prof. Dr. phil. Birgit Kleim

Birgit Kleim

Professorin für Experimentelle Psychopathologie und Psychotherapie

«Zitat»

 

1995 - 2002 Studium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland

2003 - 2006

Dissertation, Institute of Psychiatry, King’s College London, England «Early predictors of psychiatric disorders following violent assault».

2006 - 2009 

 

2009 -2014

Postdoc Institute of Psychiatry and the Maudsley Hospital, King’s College London, England

Ambizione Fellow und Arbeitsgruppenleiterin, Universität Zürich, Schweiz

Seit 2016 Ordentliche Professorin für Experimentelle Psychopathologie und Psychotherapie, Universität Zürich, Schweiz

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Die intensive Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fragestellungen finde ich spannend. Für unsere Studien ist Kreativität gefragt, Vernetzung mit anderen KollegInnen und es gibt die Möglichkeit Klinik und Forschung zu verbinden. In meinem Job komme ich praktisch nie zum Stillstand und es gibt immer die nächste Frage zu beantworten!

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

In erster Linie geht es um den Inhalt: Ich möchte besser verstehen, wie Stress-bedingte psychische Erkrankungen entstehen und wie wir deren Verlauf beeinflussen und bestmöglichst therapieren können. Hier gibt es noch massiv Raum zur Verbesserung. Ein besonderes und hochattraktives Merkmal meiner Arbeit ist auch der aktive Austausch und die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachgebieten, UZH intern und international. Dieser inspiriert mich. Gerade lerne ich beispielsweise im klinischen Forschungsschwerpunkt von Tierforschern und Toxikologen wie wir emotionale Erinnerungen modifizieren können, oder wir nehmen gemeinsam mit den Kollegen aus den Sprachwissenschaften die Sprache psychiatrischer Patienten unter die Lupe, um vorherzusagen wer suizidale Gedanken entwickeln wird.

Gab es in Ihrer Karriere besonders prägende Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Der Weg der akademischen Karriere war sicher auch mal steinig. Vor allem der Übergang vom postdoc zur Professur erschien manchmal fast unüberwindbar: Es gibt eigentlich nur befristete Stellen. Und wenig Professuren. Hier haben mich vor allem Mentorinnen ermuntert, ich hatte auch eine externe Mentorin in Deutschland, die mich aktiv gepusht hat und mich zu einem frühen Zeitpunkt zu Bewerbungen aufgefordert hat. Auch der aktive Austausch mit anderen KollegInnen in der gleichen Situation war in diesen kritischen Phasen ganz zentral- hier nicht kompetitiv gegeneinander zu arbeiten, sondern Erfahrungen austauschen und sich zu unterstützen.

Welche Person / welche Institution hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt?

Auf dem Weg wurde ich von vielen Personen und Institutionen unterstützt, beruflich wie privat und darüber bin ich sehr dankbar- ich könnte hier nicht eine Person oder Institution herausheben.

Hatten Sie (besondere weibliche) Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?

Während meines PhD und postdocs hatte ich überwiegend weibliche Mentorinnen, die meinen Werdegang massgeblich beeinflusst haben. Von einer erfolgreichen Frau Mentoring zu erhalten, hat mein Selbstbewusstsein erhöht und mir Know-How und Informationen aus erster Hand zugespielt. In wesentlichen Karriereabschnitte haben mich vor allem Anke Ehlers und Ulrike Ehlert runterstützt, die mich in kritischen Übergangsphasen, in denen einige Frauen aus der Wissenschaft aussteigen, motiviert und unterstützt haben und mir ein tolles Vorbild waren.

Welche Massnahmen ergreifen Sie als Professorin, um den wissenschaftlichen Nachwuchs (insbesondere Frauen) an Ihrem Institut zu fördern?

Aus meiner Sicht sind hier vor allem zwei Massnahmen wichtig. Zum einen versuche ich zu motivieren und Selbstbewusstsein zu stärken: die Arbeit exzellenter Mitarbeiter würdigen und fördern. Dazu gehört auch das Zuspielen gezielter Information und die Vermittlung wissenschaftlicher Netzwerke. Jede meiner Mitarbeiterinnen ist durch unsere Projekte mit internationalen Kollegen im aktiven Austausch.  Zum anderen versuche ich selbst ein Vorbild zu sein, in dem ich den Mitarbeiterinnen vorlebe, dass eine wissenschaftliche Karriere als klinische Psychologin und Professorin möglich ist, mit der Familienplanung vereinbar- es ist herausfordernd aber belohnend!

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

Netzwerke aufbauen- lokal und international, Durchhaltevermögen entwickeln und sich nicht aus der Bahn werfen lassen!

Ist es aus Ihrer Sicht eine Herausforderung die Balance zwischen Forschung/der praktischen Arbeit in der Klink und der Familie/dem Privatleben zu halten? Wie gehen Sie damit um?

Diese Balance zu halten ist eine Herausforderung. Obwohl das Tagesgeschäft natürlich mit viel Druck verbunden sein kann, habe ich oft das Gefühl «the best of all worlds» erleben zu dürfen. Klinik und Forschung gehört für mich eng zusammen, viele Fragen stellen sich in der Arbeit mit PatientInnen. Nach der Arbeit versuche ich, zu 100 Prozent für meine Familie da zu sein; dann sind ganz andere Themen auf dem Tisch. Der Schlüssel liegt in der guten Organisation.