Medizinische Fakultät

 

16.03.2011

Neues Krebsgen beschrieben

Einem Pathologen des Institutes für Klinische Pathologie der Medizinischen Fakultät Zürich / des UniversitätsSpitals Zürich ist in Zusammenarbeit mit Forschern der ETH Zürich ein bedeutender Schritt zum Verständnis eines neu entdeckten Krebsgens gelungen. Die Forschungsergebnisse sind in der renommierten Zeitschrift Cancer Cell (2011 Mar 8;19(3):317-32) publiziert.

Krebsgene entstehen durch Veränderungen von Gensequenzen (Mutationen), die für das normale Zellwachstum, die Zellteilung und die Zelldifferenzierung eine Rolle spielen. Durch Mutationen in diesen zellulären Schlüsselgenen beginnen Zellen sich unkontrolliert zu vermehren und erwerben die Fähigkeit, unter schwierigen physiologischen Bedingungen zu überleben.

Zürcher Forscher der Pathologie des Universitätsspitals und der ETH Zürich haben in einem gemeinsamen Forschungsprojekt nun bei Frauen mit Eierstockkrebs das Gen URI als Krebsgen identifiziert und dessen Funktionsweise beschrieben. URI exprimiert ein Eiweiss, das über negative Feedbackregulation Einfluss auf den programmierten Zelltod (Apoptose) nimmt. Normale Zellen sterben unter physiologischem Stress, wie beispielsweise einem verknappten Sauerstoff- und Energieangebot, durch Auslösung des programmierten Zelltods ab. Ist URI überexprimiert, wird dadurch die Apoptose aber verhindert.

Die Forscher konnten in einer Studie zeigen, dass bei 4 von 10 Frauen mit Eierstockkrebs URI überexprimiert ist. Bei einer von zehn Frauen konnte darüber hinaus eine Amplifikation des für URI kodierenden Genabschnitts nachgewiesen werden. Bei einer Amplifikation wird eine im Genom vorhandene Sequenz vervielfältigt und mehrfach in das Gen integriert, wodurch sich die Aktivität erhöht.

Interessant ist insbesondere auch die Feststellung, dass bei den Frauen mit einer URI Amplifikation ein aggressiveres Tumorverhalten festgestellt werden konnte, und die standardmässige chemotherapeutische Behandlung nicht wirkte. Aufgrund dieser Beobachtung ist es denkbar, dass sich zukünftig im Vorfeld einer geplanten Chemotherapie voraussagen lässt, ob die betreffende Frau tatsächlich davon profitieren wird, oder ob aufgrund der Nebenwirkungen und der fehlenden Wirksamkeit davon abzusehen ist. Durch die Aufklärung des Wirkmechanismus von URI ergeben sich darüber hinaus neue Ansätze für eine gezielte Bekämpfung von Eierstockkrebs, insbesondere bei vorhandener URI Amplifikation, also bei jenen Frauen, die nicht auf die standardmässige Chemotherapie ansprechen. Dadurch könnte eine zielgerichtete, individuelle Krebstherapie mit weniger Nebenwirkungen für die betroffenen Frauen möglich werden.

Bei einer Reihe anderer Krebsarten konnte ebenfalls eine Amplifikation von URI nachgewiesen werden. Die Bedeutung der Forschungsergebnisse dürfte somit nicht auf Eierstockkrebs beschränkt bleiben und möglicherweise Eingang in die prädiktive Diagnostik finden. Das Institut für Klinische Pathologie ist verantwortlich für die gesamte Breite der morphologischen Diagnostik, sowie für Aus-, Weiter- und Fortbildung auf dem Gebiet der Pathologie. Die Erforschung und Entwicklung prädiktiver Tests mittels molekularer Methoden, insbesondere auf dem Gebiet der Tumorbiologie gehört zu den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Klinische Pathologie. Zur Identifikation neuer Biomarker und für eine bessere Diagnostik von Krebserkrankungen müssen heute verschiedenste Hightech-Methoden eingesetzt werden. Gerade auf dem Gebiet der personalisierten Medizin ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unabdingbar, wie jetzt die Zellbiologen der ETH Zürich und die Pathologen des UniversitätsSpitals gezeigt haben.

Claude Kaufmann

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