Prof. Dr. med. Anita Rauch

Professorin Medizinische Genetik

«Mein erstes weibliches Vorbild war meine Tante.»


1987 – 1994 Studium der Humanmedizin, Universität Erlangen-
Nürnberg und Regensburg
1994 Promotion, Universität Erlangen-Nürnberg
1994 – 2009 Weiterbildung zur Fachärztin für Humangenetik und
wiss. Assistentin am Institut für Humangenetik,
Universität Erlangen-Nürnberg mit Hospitation in
Salt Lake City, Utah
2004 Habilitation, Universität Erlangen-Nürnberg
Seit 2009 Ordentliche Professorin und Direktorin des Instituts
für Medizinische Genetik, Universität Zürich

Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Bei der Arbeit im Spital habe ich gemerkt, dass es noch viele ungeklärte Dinge in der Medizin gibt. Um den Patienten besser helfen zu können, habe ich mich für die Wissenschaft interessiert. Da sich in der universitären Medizin Wissenschaft mit Patientenversorgung verbinden lässt, können sich beide Bereiche gegenseitig inspirieren und bereichern.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

Die intellektuelle Herausforderung, gepaart mit der Möglichkeit den medizinischen und wissenschaftlich en Nachwuchs zu fördern, aber gleichzeitig kranken Menschen mit den jeweils aktuellsten Möglichkeiten zur Seite zu stehen.

Gab es in Ihrer Karriere besonders prägende Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Ich habe meine Karriere nie verbissen geplant, sondern versucht meine Arbeit bestmöglich zu machen. Im Kontakt mit teils sehr schwer behinderten Patienten und ihren Familien bin ich mir meiner glücklichen Lage bewusst, gesund zu sein und meine wissenschaftliche Neugier zum Wohle meiner Mitmenschen einsetzen zu können. Ich hatte aber das Glück, dass ich immer von Mentoren umgeben war, die mich durch Höhen und Tiefen begleitet haben.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben?

Mein erstes weibliches Vorbild war meine Tante, die mir als Klosterschwester eine eigenständige Karriere ausserhalb der traditionellen Hausfrauenrolle vorgelebt hat. In der Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin, musste ein Mädchen um eine höhere Schulbildung kämpfen. Für die naturgegebene Bestimmung zur Hausfrau und Mutter war eine Gymnasialausbildung, geschweige denn ein Studium zu viel des Guten. Deshalb waren mir starke, selbstständige Frauen Vorbilder, auch fiktive Figuren wie Pippi Langstrumpf.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

Es ist wichtig, mit Vorgesetzten über die eigene Entwicklung sprechen zu können. Viele, möglichst kleine Kongresse besuchen, an denen man gut Kontakte knüpfen kann.